Der Anfang

Das in den vergangenen Jahrhunderten stark landwirtschaftlich geprägte Mücheln wurde durch die Mitte des 19. Jahrhunderts beginnende Braunkohleförderung zum geschäftlichen Mittelpunkt des Geiseltals, was einen Zufluss an Arbeitskräften und Einwohnern mit sich brachte.

So zog im Jahre 1912 auch der Bergmann Friedrich Reitmann mit seiner Familie nach Neumark, einem Nachbarort. Er war nicht nur Steiger von Beruf, sondern auch Diakon der Neuapostolischen Kirche.

Er begann in seinem Umfeld von seinem Glauben und der „neuen“ Kirche zu berichten. Unterstützung erhielt er von Glaubensgeschwistern, die 1913 von Merseburg in das bei Mücheln gelegene Zorbau zogen. Die Gottesdienste besuchten diese Geschwister in Merseburg.

Die Zahl der interessierten Gläubigen nahm ständig zu, so dass man Möglichkeiten suchte, näher an den Wohnorten Gottesdienste abzuhalten. 1922 konnten in der Schule in Neubiendorf (Ortsteil von Mücheln) und im Wechsel bei Geschwistern in Mücheln Versammlungen durchgeführt werden.

Bisher gehörten die Müchelner Geschwister zur Gemeinde Merseburg mit deren Vorsteher, Priester Riedel. Dieser bekam 1923 im ordinierten Priester Friedrich Reitmann eine Entlastung und Hilfe. 1924 wurden zwei Unterdiakone für die Bereuung vor Ort gesetzt.

Im Jahr 1926 wurde die inzwischen auf 30 Seelen angewachsene Gemeinde selbständig, als Vorsteher wurde Priester Friedrich Reitmann beauftragt.

Die Gottesdienste fanden in den nächsten Jahren als Notbehelf in verschiedenen Gaststätten in den Vereinszimmern statt: „Zur Quelle“, “Grüne Wiese“, „Wendenhof“, Hotel „Deutscher Hof“. Das waren für die wachsende Gemeinde, zu der mittlerweile auch ein Chor gehörte, keine guten Verhältnisse.

Das eigene Kirchengebäude

Es musste eine Änderung gefunden werden. Nach anfänglichen Rückschlägen boten gut gesinnte Menschen ihre Hilfe an und so konnte auf dem Grundstück Eptinger Rain 9 (jetzt 10) eine Kirche mit 180 Plätzen gebaut und am 13. Oktober 1929 durch Bezirksapostel Landgraf geweiht werden.

Die Gemeinde erhielt weiteren Zuwachs, auch durch neue Amtsgaben.

Im Jahr 1930 erhielt Priester Willy Reitmann den Auftrag, in Bad Lauchstädt eine Gemeinde zu gründen. Ihm zur Seite standen weitere Amtsträger, die auch in Querfurt und Schafstädt begannen, erfolgreich Gemeinden aufzubauen.

Im Jahr 1938 wurde der Vorsteher Friedrich Reitmann in den Ruhestand versetzt und sein Sohn Erich als neuer Vorsteher beauftragt. Er führte, seit 1940 im Evangelistenamt, die Gemeinde durch die schweren Kriegszeiten, die unter den Geschwistern und am Kirchengebäude viele Schäden hinterließen. Trotzdem war der Zuwachs in diesen Zeiten groß.

 

Ab 1951 wurde begonnen, in weiteren Orten des Geiseltals, in Krumpa (1964 wieder eingestellt) und Braunsbedra, Gottesdienste durchzuführen. Dazu erhielt der Müchelner Vorsteher mit seinen Helfern Unterstützung aus Merseburg.

Das Grundstück sowie das Kirchengebäude waren Ende der fünfziger Jahre bis in die siebziger Jahre Ziel umfangreicher Sanierungs- und Verschönerungsmaßnahmen wie Warmluftofen, neue Kanalisation, Ämterzimmer, neue Orgel.

1979 wurden „50 Jahre Kirchenneubau“ festlich begangen.

Infolge der Ausdehnung des Braunkohlebergbaus wurden viele Dörfer im Umkreis überbaggert und verschwanden. Die Einwohner, damit auch mehrere Geschwister, zogen meist in vorbereitete Wohnungen in Merseburg. Dadurch wurden auch die Gottesdienste in der Gemeinde Braunsbedra 1989 wieder eingestellt.

Geschwister der Gemeinde Querfurt wurden im März 2014 auf Grund der Schließung des dortigen Kirchenraumes in die Gemeinde Mücheln aufgenommen.

Gemeindeleben

Mücheln war jahrelang auch ein Zentrum für schöne, erlebnisreiche Kindertage des südlichen Kirchenbezirkes Halle Saale).

Die Geiseltalsee-Kirche, eine umgewidmete ehemalige Kapelle im Ortsteil Neubiendorf, diente in den Jahren nach der politischen Wende oft als Auftrittsort für Konzerte des reichen, aktiven Musikgeschehens der Müchelner Geschwister. Manches Benefizkonzert konnte hier erlebt und der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Besondere Festtage waren der 17. Oktober 2004 mit der 75-Jahr-Feier des Kirchenbaus und dem „Tag der offenen Tür“ am 24. September 2016 zur 90-Jahr-Feier des Bestehens der Gemeinde.

Das schmucke Kirchenlokal und die freundlichen Geschwister waren auch Gastgeber für Proben des Bezirkskinderchores oder für die Konfirmanden zu ihrer letzten Unterrichtsstunde des jeweiligen Jahrganges. Auch die Jugend nutzt gern den nahen Geiseltalsee und am Sonntag die Kirche für ihre Ausflüge und Treffen.

Vorsteher der Gemeinde

1926 – 1938 Priester Friedrich Reitmann
1938 – 1962 Evangelist Erich Reitmann
1962 – 1983 Hirte Hermann Grahlmann
1983 – 1998 Evangelist Adolf Gusowski
1998 – 2002 Priester Roland Grahlmann
2002 – 2004 Hirte Gerhard Weise
2004 – 2007 Evangelist Marco Fründ
2007 –  2024 Priester Mario Matz
seit 2024 Bezirksevangelist Marco Fründ